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  • Luke

Ein junger Mensch über Harley Davidson

Harley Davidson ist seit vielen Jahren auf dem absteigenden Ast. Verzweifelt versucht die Firma irgendwelche neuen Modelle auf den Markt zu bringen, die junge Menschen wie mich überzeugen sollen. Neue Marketingkampagnen werden aufgefahren, ein Elektromotorrad veröffentlicht und die Harley Davidson Pan America angekündigt: ein offroad Adventure Motorrad.


Ich werde das Gefühl nicht los, dass Harley Davidson selbst nicht so ganz weiß, wie sie ihre alternde (und aussterbende) Zielgruppe ersetzen sollen. Von außen betrachtet werfen sie einfach alles an die Wand und schauen mal was kleben bleibt. Sie brauchen neue Kunden, um langfristig Erfolg haben zu können – aber aus irgendwelchen Gründen scheitern sie seit Jahren daran.


Heute schnacken wir deshalb mal darüber, was ich als 24 jähriger frischer Motorradfahrer über den Laden denke. Und warum ich kein Fan bin – und damit Teil des Problems.


Harley Davidson Quartalswachstum

Das Problem mit Harley Davidson


Vor vielen Jahren habe ich die Serie Sons of Anarchy geschaut und war großer Fan. Es geht um einen Motorradclub in den USA, der sich zu einer Gang entwickelt. Haufenweise Schießereien, große, bärtige, männliche Männer und mittendrin natürlich Harley Davidson. Die Serie verkörperte alle Klischees, war objektiv betrachtet kein Brüller, aber sie machte Spaß.


In Sons of Anarchy dreht sich viel um das Thema Freiheit. Oftmals springt ein Clubmitglied auf seine Harley und knattert Richtung Sonnenuntergang. Es ist genau dieses Image, das mich persönlich anzieht: ich und meine Maschine in Freiheit.


Was mich hingegen überhaupt nicht anzieht, ist die Harley Community – zumindest von außen betrachtet. Harley ist laut und ölverschmiert und das darf es gerne sein, das finde ich cool. Ich verbinde aber mit Harley Davidson keine coolen männlichen Typen, sondern häufig eher Zahnärzte kurz vor der Rente, die sich am Wochenende verkleiden, um sich cool zu fühlen.


Und hey, das ist auch vollkommen in Ordnung. Ich fühle mich auch cool wenn ich mit meiner 25 PS Schüssel durch den Dreck ruder – auch wenn ich vielleicht überhaupt nicht cool bin. Es macht einfach Spaß und darum geht's doch. Uncool wird es aber dann, wenn ich mich als etwas besseres fühle und dieser Elitismus beginnt. Ein Elitismus, den ich aus meiner eigenen Erfahrung fast ausschließlich mit Harley Fahrern verbinde.


Meiner eigenen Erfahrung nach fühlen sich einige Harley Davidson Fans als etwas besseres und grüßen beispielsweise nur andere Harley Fahrer. Außerdem habe ich das Gefühl, dass gut die Hälfte der Harley Fahrer immer grimmig schaut. Vielleicht liegt das an den offenen Jethelmen und den Fliegen zwischen den Zähnen. Aber sehr selten habe ich einen Harley Davidson Fahrer gesehen und dachte mir ernsthaft: Verdammt, ist der cool! Verdammt, hat der viel Spaß! Verdammt, ich will so sein wie er!


Das alles ist natürlich extrem subjektiv. Wir haben viele Harley Davidson Fans unter unseren Zuschauern und – auch wieder aus eigener Erfahrung – diese Leute sind absolut der Hammer. In keiner Weise will ich hier alle Harley Davidson Fahrer über einen Kamm scheren. Aber das trübt dennoch nicht das Bild der Marke, das ich als junger Mensch mit Harley Davidson verbinde: "Alte Säcke, die sich cool fühlen wollen."


Der neuste Marketing-Push: Zwei ~50 Jährige mit Harley Davidson Livewires durch Südamerika.

Identifikation


Und das Lustige ist – was Harley Davidson anscheinend selbst nicht versteht – dass dieses Image nicht mit ihren Bikes zusammenhängt. Ich finde die Motorräder von Harley Davidson unfassbar geil. Ich mag den Sound, ich liebe den Look und ich liebe auch den Freiheitsgedanken und die Geschichte hinter dem Laden.


Aber Harley verkauft nicht einfach Motorräder. Harley Davidson verkauft einen Lifestyle. Und dieser Lifestyle hängt nunmal stark von den Menschen ab, die ihn leben: die Harley Community. Und als junger Mensch ist das nicht zwangsweise die Gruppe, mit der ich mich identifizieren kann.


Vielleicht fühlt sich nun der ein oder andere Harley Fahrer voll auf den Schlips getreten. Aber überlegt doch mal selbst: Willst du mit 52 Jahren eine KTM Supermoto kaufen, mit den ganzen KTM-Kiddies auf dem Hinterrad durch die Stadt fahren und Instagram Stories posten? Wahrscheinlich nicht. Und das ist auch okay, denn du kannst dich damit nicht identifizieren.


Und ich glaube das ist das größte Problem von Harley bei der jungen Zielgruppe. Niemand aus meinem Umfeld findet Harley geil. Es gibt hingegen genug Leute, die Cruiser cool finden – aber die fahren dann Indian, Kawasaki Vulcans oder Honda Rebels.

Wie kommt Harley Davidson an junge Kunden?


Wie kann Harley also die junge Zielgruppe abholen? Das ist eine verdammt gute Frage. Es sind nicht die Motorräder oder die Preise – denn wenn ich ein Motorrad will, dann spare ich auch gerne darauf. KTMs sind auch nicht zwangsweise super günstig und dennoch verflucht populär bei jüngeren Fahrern. Auch die Harley Davidson Motorräder sind für mich sehr attraktive Maschinen, die ich auch gerne einmal fahren würde. Das Problem sind nicht die Motorräder.


Harley muss in meinen Augen einfach dafür sorgen, dass man gerne Teil der Harley Familie werden will und sich dort wohl fühlt, wenn sie jüngere Kunden wollen. Aber vielleicht ist Harley auch einfach eine coole Marke für ältere Menschen und auch das ist vollkommen okay. Man muss nicht immer alle Leute bedienen – ich finds ehrlich gesagt geil, wenn eine Marke mal Mut beweist und sich nur auf eine Ecke spezialisiert. Nur wird man das Gefühl nicht los, dass Harley seit Jahren irgendwie den Nachwuchs erreichen will. Es gibt inzwischen sogar Kinder-Bikes von Harley.


Foto: Harley-Davidson

Ich kaufe beispielsweise gerne japanische Motorräder, da die Dinger ewig halten und die Communitys einfach nett sind. Das hat Honda früh verstanden mit ihrem Slogan "You meet the nicest people on a Honda".


Meine Royal Enfield (aus Indien) fahre ich gerne, da die Firma für mich Abenteuer verkörpert. Sie wissen was ich will, sie bauen ihre Motorräder genau für diese Zwecke. Auch die Community feiert den eher rustikalen Stil der Maschinen und ist sehr reisebegeistert.


Eine BMW würde ich mir kaufen, da ich großes Vertrauen in die Qualität habe. Ich weiß, dass BMW mit ihren GS Modellen auch ordentlich etwas für Langzeitreisende zu bieten hat – ihr Marketing und die Community stehen voll hinter diesem Image. Niemand wird hier nicht gegrüßt, nur weil er eine Triumph Tiger oder Yamaha Teneré fährt.


Und dann gibt es noch Indian, die einfach wunderschöne Cruiser bauen. Sie verkörpern ebenfalls den Freiheitsgedanken aber ohne den ganzen Ballast, den Harley Davidson mit sich bringt. Indian ist in meinen Augen einfach cool und versucht nicht verzweifelt cool zu sein.


Vielleicht wäre eine neue Sub-Marke für Harley die beste Wahl. Eine Marke, die für junge Menschen geschaffen wurde und die entsprechende Community schürt. Getrennt von Harley aber mit der gleichen Vaterfirma. Wie wäre es mit Barley-Havidson?


Schwierig.

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